2022: 15 Jahre Ökumenische Umweltgruppe                  

Die Ökumenische Umweltgruppe Lichtenrade ist ein Kreis von Menschen, der sich aktiv einsetzt für den Umweltschutz und eine nachhaltige Lebensweise. Die Gruppe ist 2007 innerhalb der evangelischen und der katholischen Gemeinde unter dem Eindruck des Klimawandels entstanden. Von Anfang an gehören aber auch Menschen ohne kirchliche Bindung zu uns. Wir versuchen, konkrete Schritte nachhaltigen Lebens im persönlichen und politischen Bereich auf den Weg zu bringen. Dazu treffen wir uns jeden dritten Dienstag des Monats von 19:00 bis 21:00 Uhr im evang. Gemeindehaus Goltzstr. 33 in Lichtenrade.

 

Wenn Sie Lust haben, unsere Arbeit kennenzulernen, sind Sie herzlich eingeladen. 

Melden Sie sich bitte vorher an unter der  Mailadresse: kontakt(at)oekumenische-umweltgruppe-lichtenrade.de

 

2021/22 sind unsere Projekte:

  • AG Radwegenetzausbau in Lichtenrade
  • Beteiligung am Aktionsbündnis LebensMittelPunkt, um die Ernährungswende voranzubringen

Wir finanzieren unsere Aktivitäten durch eine am persönlichen "Umweltverbrauch" (ökologischer Fußabdruck) orientierte Klimasteuer und über Spenden.

Über einen Newsletter informieren wir alle Interessierten über geplante Aktionen und Veranstaltungen. 

Bericht  von unserer diesjährigen Fahrradtour nach Neustrelitz und in den Müritz- Nationalpark vom 19.8.2022 - 23.8.2022

Nachdem unsere Planungs-experten Radkarten, Zug-fahrpläne und Ausflugstipps ausführlich studiert und daraus drei Ganztages- und zwei Halbtagestouren entwickelt hatten, starteten 9 Radbegeisterte mit dem RE 5 nach Neustrelitz. Anders als sonst hatten wir dieses Jahr ein festes Domizil, von wo wir unsere Unternehmungen starteten. Da uns klar war, dass (noch zur Ferienzeit) die Züge Richtung Ostsee sehr voll sein würden, verteilten wir uns auf verschiedene Züge und erreichten nach und nach Neustrelitz. Bei regnerischem Wetter und nach einer Mittagspause am Glambecker See setzten wir den Weg gestärkt zu unserer Unterkunft fort und besichtigten die Stadt erst einmal beim Durchradeln.

Die Gebäude der Alten Kachelofenfabrik sind inzwischen zu einem interessanten Kultur- und Tagungszentrum mit Gastronomie, Unterkünften verschiedener Standards, Kino, Veranstaltungs- und Ausstellungsräumen umgebaut worden. Wer mehr wissen möchte: https://basiskulturfabrik.de

Wir richteten uns im Gästehaus in unseren einfachen Appartements ein und genossen am Abend ein leckeres Abendessen im Freien unter alten und stimmungsvoll beleuchteten Bäumen. Einige besuchten dann noch eine Kinovorstellung im Haus. Am nächsten Tag brachen wir zu einer ca. 36 km langen Rundtour Richtung Wesenberg auf. Das Wetter war eher trübe und es war sogar Regen angesagt! Wir hatten deshalb mit Regenkleidung vorgesorgt, was uns sicher davor bewahrt hat, dass es tatsächlich regnete! Vorbei am Slawendorf, dem Zierker See, über Userin und Zwenzow fuhren wir auf gut ausgebauten Radwegen durch viel Wald und fast immer mit Blick auf das Ufer des Labussees. Es ging gemächlich voran, da einige ein E-Bike besaßen, andere aber ausschließlich mit eigener Kraft unterwegs waren. In Wesenberg führte unser erster Weg zur Burganlage aus dem 13. Jh. mit einem sog. Fangelturm (Turm, in dem Gefangene eingesperrt wurden). Die Überreste dieses Turms, der heutzutage eine Aussichtsplattform hat,  haben wir erklommen und von dort die Aussicht über die Stadt und den Woblitz-See genossen. Auch ein Flohmarkt wurde von oben entdeckt und anschließend besucht. Ein Stand mit frisch gezapftem Fassbier einer hier ansässigen Brauerei erregte unsere Aufmerksamkeit. Die Brauerei möchte expandieren. Dazu bildete eine bunte Gruppe von Menschen eine Genossenschaft und kaufte das danebengelegene Anwesen, die Brennerei Wesenberg, von einem Investor. Man möchte den Ort wieder beleben, zu einem Ort für Leben, Wohnen und Arbeiten. Irgendwie erinnerte uns das, wenn auch eine Nummer kleiner, an die Geschichte unserer Alten Mälzerei in Lichtenrade.
 Auf einer nahegelegenen Halbinsel fanden wir ein Café und stärkten uns dort mit selbstgebackenem Kuchen und Blick aufs Wasser, bevor wir auf dem Havel-Radweg auf kurvenreicher Strecke wieder den Heimweg antraten.
 Abends fanden sich alle wieder im Gartenrestaurant der Alten Kachelofenfabrik zusammen.
Am dritten Tag wurde das Frühstück früher eingenommen, denn wir hatten eine Verabredung mit Herrn Weber, einem Ranger im UNESCO-Weltnaturerbe „Alte Buchenwälder“ um das kleine Dorf Serrahn herum, das nur aus ein paar hübsch restaurierten Fachwerkhäusern besteht und mitten im Wald liegt. Dieser Teil des Müritz-Nationalparks liegt östlich von Neustrelitz, ist sehr dünn besiedelt und besteht fast nur aus Wald und Wasser. Wir erfuhren von Herrn Weber, ein hier aufgewachsenes Urgestein, sehr viel Wissenswertes über die Bedeutung der Moore und Feuchtgebiete sowie die Entstehung und Entwicklung dieses besonders „wilden“ Waldes mit riesigen Buchen,


 

aber auch Kiefern, Eichen und anderen Baumarten, die seit einigen Jahrzehnten ohne Einfluss durch den Menschen wachsen und vergehen. Er führte uns auf einem kleinen Rundweg durch einen Teil des Waldes und auf Stegen über einen See, der inzwischen fast verlandet ist und eine Vielzahl an schützenswerten Pflanzen beherbergt. Durch seinen lebhaften und anschaulichen Vortrag gewannen wir eine Vorstellung von den Besonderheiten dieses Buchenwaldes. Eine kleine, liebevoll gestaltete und sehr lehrreiche Ausstellung mit Fotoschau vervollständigten den Besuch. Ganz versteckt entdeckten wir dann ein Café in einem blühenden Garten, das auch etwas Besonderes war, weil wir nämlich Kaffee und Kuchen nach eigenem „Geschmack“ bezahlen sollten! Wir setzten den Weg in weitem Bogen fort, diesmal auf dem Müritz-Radweg vorbei am Lutowsee, am Großen Fürstenseer See fanden unsere „Badeengel“ noch eine einladende Badestelle am Domjüchsee und wir kehrten nach 42 km in unsere Unterkunft zurück, wo uns schon zwei weitere Mitglieder der Gruppe erwarteten, die erst heute dazu stoßen konnten.

Für das Abendessen testeten wir ein anderes Gartenrestaurant und ließen den Abend im Gruppenraum des Gästehauses ausklingen.

Am vierten Tag führte unser Weg Richtung Westen über 36 km in den Müritz-Nationalpark. Am Großen Prälanksee lud eine kleine Badestelle erneut zum Reinspringen ein, und anschließend gelangten wir zu einem der Eingänge in den Nationalpark. Unsere Befürchtung, dass der nur schwach auf der Karte eingezeichnete Weg vielleicht nicht befahrbar sein würde, erwies sich als unbegründet. Auf unbefestigtem Weg erreichten wir erst Langhagen und dann Blankenförde, wo wir wieder auf den Müritz-Radweg trafen. Wir entschieden uns zu einem kleinen Abstecher an den Madensee mit einem Moorgebiet mit Wanderwegen über Stege, die aber weniger beeindruckend waren als ein 5,5 t schwerer Findling mit der Inschrift „Fließ, Havel, fließ“ – ein aus Schweden stammendes Geschenk des NABU anlässlich der Renaturierung dieses vom Havelbach durchflossenen Sumpfgebietes. In Kakeldütt (!) entdeckten wir ein „Räucher-Hexenhäuschen“, in dem es sich hervorragend rasten und speisen ließ. Anschließend ging es wieder auf einem sehr gut ausgebauten Radweg in einigem Abstand zur Nebenstraße durch Wald und im stetigen Auf und Ab mit unvermeidlichem Badestopp am Useriner See zurück Richtung Neustrelitz. Am Abend aßen wir diesmal in einem kleinen Restaurant am Hafen.

Dienstag war unser Abreisetag. Ein letztes Mal genossen wir gemeinsam das leckere und reichhaltige Frühstück. Vor unserer Heimreise hatten wir uns noch eine Schifffahrt vorgenommen. Dazu radelten wir mit unseren gepäckbeladenen Rädern nach Prillwitz und bestiegen das Ausflugsschiff „Mudder Schulten“. Das Schiffspersonal fühlte sich für das Verladen unserer Fahrräder verantwortlich, war aber wegen des Gewichtes und der durch die Gepäcktaschen üppigen Ausmaße unserer Räder sichtlich gefordert. Erwartet hatten sie eigentlich eine Wandergruppe. Die Aufgabe meisterten sie mit Geschick und guter Laune. Die Fahrt führte dann über die Lieps, einem 4 km² großen See, dem 900m langen Kanal „Alter Graben“ und über den Tollensesee nach Neubrandenburg. Hier ließen wir unsere Reise in einem Ausflugslokal mit herrlichem Blick auf den See ausklingen.

Anschließend radelten wir durch den Kulturpark in die Altstadt, die teilweise noch von einer Stadtmauer mit Wiekhäusern umgeben ist. Am anderen Ende erwartete uns der Bahnhof, glücklicherweise mit funktionierenden Fahrstühlen, um zum richtigen Gleis Richtung Berlin zu gelangen. Im Zug hatten wir diesmal ein Fahrradabteil fast für uns allein. Trotz der Leere im Zug tauchte bis Berlin kein Schaffner auf, um unsere 9€-Tickets und unsere Radfahrkarten zu kontrollieren!

Hinter uns lagen schöne Tage. Wir genossen die Landschaft, das herrliche Wetter, entspannte Radtouren und fanden auch viele Gelegenheiten zu Gesprächen, die die Fahrt bereichert haben, mussten wir doch pandemiebedingt eine mehrjährige Pause hinnehmen.

Carola & Hans Streu, Annette Adamaschek

Fotos: Annette Adamaschek