Bericht von der Velo Berlin

 

Wie jedes Jahr im Frühling besuchte ich die VELO Berlin, eine Fachmesse rund um das Thema Fahrrad. Messestandort war dieses Mal Hangar 5 und 6 des ehemaligen Flughafens Tempelhof sowie ein befestigter Teil des Tempelhofer Feldes.

Dass auf dem Gelände eines ehemaligen Flughafens eine Fahrradmesse stattfindet, ist schon bemerkenswert. Ein Hinweis, dass die Verkehrswende begonnen hat? Nun, verglichen mit den Messen der vergangenen Jahre ist eine Entwicklung deutlich: der Mut für Innovation und unkonventionelle Lösungen als Antwort auf in die Sackgasse führenden motorisierten Individual- und Lieferverkehr ist erkennbar. Bei einer Podiumsdiskussion argumentierten sowohl Vertreter der Fahrradlobby, als auch der Industrie und Politik in diese Richtung. Allerdings räumte die Bezirksstadträtin Frau Christiane Heiß ein, dass politische Entscheidungen durch Planungen, Genehmigungen, Zuständigkeitsfragen, Gesetzgebungsverfahren usw. Zeit brauchen, die nicht in Wochen oder Monaten, sondern meistens in Jahren zu bemessen ist. Ungeduldig fragt man sich, hätten diese Entwicklungsschritte nicht früher auf den Weg gebracht werden müssen?

Ein Gang durch die Hallen zeigt: Startups, Industrie und Handel sind schon weiter: Zu Fragen des Transports von Personen und Waren sowie der Urlaubs- und Freizeitgestaltung sind die Antworten vielfältig. Der Gedanke kommt auf, das Klimaziel von Paris wäre erreichbar, wenn man nur wollte.

 

 

 

Zu Fragen des Transports findet man bei der inzwischen gereiften Technik der Elektromobilität passende Antworten: Die elektrische Motorunterstützung ließe in der bei uns üblichen flachen Topografie sogar die Anlieferung einer Waschmaschine zu.

Diese Technik hat allerdings ihren Preis, da sich die öffentliche Förderung bisher vorwiegend auf das Auto konzentriert. Und teure Technik soll gegen Diebstahl und Witterungseinfluss geschützt werden. Auch hier waren auf der Messe Antworten vorhanden und interessant.

Am längsten verweilte ich am Stand des „Loadster“. Hier sitzt man nicht auf, sondern in dem Fahrrad. Dieses Fahrzeug bietet passablen Schutz vor Regen, sieht aus wie ein Auto, hat mit seiner 420 Liter fassenden Transportbox auch eine vergleichbare Ladekapazität. Mit seinen Abmessungen (Breite = 1 Meter) und der „Pedelec“-Technik legte der Hersteller Wert darauf, dass sein Produkt rechtlich als Fahrrad eingestuft wird und damit entsprechend auch Fahrradwege benutzen darf.

Fast euphorisch verlasse ich die Messe. Metropolen ohne Abgasgestank und Dauerstau werden vorstellbar.

Hans Streu

 

 

Fotos vom Loadster mit freundlicher Genehmigung von citKar