Gedanken zum Jahresausklang

Da hilft nur eins.

Mit dem Umweltschutz ist es wie mit einem Schiff, das auf ein gefährliches Riff zufährt, aber niemand ist da, der das Steuer umdreht. Die Besatzung sitzt an der Bar und feiert. So ist es auch bei uns im politischen Alltag. Klimaschutz steht auf der politischen Tagesordnung unter „Verschiedenes“. Die Bundesrepublik wird die Klimaziele, zu denen sie sich selbst im Pariser Vertrag verpflichtet hatte, nicht einhalten. Die Konzentration der klimaschädlichen Gase in der Atmosphäre steigt an und ist so hoch wie nie zuvor. Es ist, als habe man sich stillschweigend darauf geeinigt, die Augen vor den Folgen zu verschließen: Teile der Erde werden gänzlich unbewohnbar sein. Überschwemmungen, Stürme und Dürren werden zunehmen, nicht nur in den Ländern des Südens. Die Verteilungskämpfe um Wasser, Böden, Nahrungsmittel nehmen zu und damit auch die Ströme von Menschen, die nach einer neuen Bleibe suchen.Da hilft nur eins: Bürgergruppen müssen den Politikern Beine machen. Sie müssen die wahre Bedeutung der  Klimafrage auf die Straße tragen. Aber wer geht hin, wenn für eine andere Energiepolitik demonstriert wird? 16.000 waren es zuletzt in Berlin. Das ist jämmerlich. Lieber Leser, wo warst Du? Es gibt den zynischen Witz über den Mann, der vom Balkon eines Hochhauses fällt und kurz vor dem Aufprall feststellt: „Bisher ist nichts passiert“. Mit der Gabe der Verdrängung, also der Leugnung von Realitäten, sind wir alle reichlich ausgestattet. Aber wir sind auch ausgestattet mit der Fähigkeit zur Umkehr. Die Politik wird nur umsteuern, wenn auch der einzelne bereit ist, aus falschen Wegen umzukehren: weniger Fleisch, weniger Auto, weniger Flug, weniger Konsum, weniger Plastik. Und mehr Spiel und Bewegung, mehr miteinander, mehr Muße, mehr Genuss, mehr Zärtlichkeit, mehr Würde im neuen Jahr.

 

Reinhart Kraft