Leserbrief im Tagesspiegel vom 10.2.2019:

Teure Ehrenrunde

Der Vorsitzende der CDU/CSU Bundestagsfraktion Ralph Brinkhaus erklärte kürzlich, mit dem Ausstieg aus der Kohle müsse man nicht dogmatisch umgehen. Man dürfe sich auch etwas mehr Zeit nehmen, als die Vereinbarung der Kohlekommission vorsieht, und gern noch „eine Ehrenrunde einlegen“. Das klingt vernünftig und jeder hört es gern. Doch woher nimmt der Heilsprophet sein Wissen? Wird die Erderwärmung stillhalten, während die Zivilisation weitere Unmengen von CO2 in die Atmosphäre bläst ? Wird der Anstieg der Meere eine Pause machen? Werden die klimabedingten Unwetter sagen: „Wir halten uns zurück und machen eine Ehrenrunde?“ Ein Blick in den Sonderbericht des Weltklimarates IPCC vom Oktober 2018 konfrontiert uns mit der wahren Lage der Dinge. Das Zeitfenster innerhalb dessen eine Erderwärmung abgewendet werden kann, die Teile der Erde unbewohnbar macht, ist kurz. Wir haben dazu keine zwanzig Jahre Zeit. Jede noch so geringe weitere Erwärmung fällt ins Gewicht und verursacht langfristige oder unumkehrbare Schäden und Kosten. UN Generalsekretär Guterres: „Wenn wir den Kurs bis 2020 nicht   ändern, riskieren wir, den Punkt zu verpassen, an dem wir der Katastrophe ausweichen können.“ Wohlfeile  Beschwichtigungen sind realitätsfern und werden uns teuer zu stehen kommen.

 

                                                                                    Reinhart Kraft, Pfarrer i.R.