Die ökumenische Umweltgruppe war mal wieder unterwegs (22.08. bis 26.08.2019)

 

Es ist schon eine lieb gewordene Tradition, dass wir einmal im Jahr unsere Arbeit unterbrechen und uns eine gemeinsame Reise gönnen. Wie es sich für eine Umweltgruppe gehört, sind wir natürlich mit der Bahn und dem Fahrrad unterwegs und nehmen nach Möglichkeit Kontakt mit Menschen und Institutionen auf, die ihren Beitrag zur Erhaltung der Schöpfung leisten.

Dieses Mal geht es mit der Bahn in die Oberlausitz nach Zittau, von dort an der Neiße entlang zum Kloster St. Marienthal und nach Ostritz, weiter nach Görlitz, Löbau und Bautzen. Die letzte Strecke in der sächsischen Lausitz führt uns nach Neudorf Klösterlich. Von dort geht es auf dem Spreeradweg nach Spremberg, um die Heimreise mit der Bahn anzutreten.

 

Während einer Stadtführung in Zittau erfahren wir etwas über diesen alten Handelsplatz, der seine Mittlerrolle der geografischen Lage in der Nähe zweier Gebirgspässe verdankte. Böhmisches Bier, polnisches Getreide, Salz und Tuche wurden hier umgesetzt und mehrten neben einer eigenen Leinwandproduktion den Reichtum der Stadt.

Die in der DDR-Zeit entstandenen Wunden sind weitgehend verheilt, nicht jedoch die Nach-Wende-Probleme: der Abbau von Arbeitsplätzen und der Wegzug junger Menschen. Weil die Stadt kulturell viel zu bieten hat, konzentriert man sich nun auf den Tourismus.Übrigens: Unter Zittau und seiner Umgebung liegt Braunkohle - (!)

Weil sie dort - Gott sei Dank - immer noch liegt, dürfen wir darüber auf einem romantischen Radweg entlang der Neiße zum Zisterzienser Nonnenkloster Marienthal fahren. Hier erfrischen wir uns und sammeln bei einem köstlichen Abendbrot neue Kräfte. Mit Plausch und Spiel lassen wir den Tag ausklingen und ziehen uns in unsere komfortablen Schlafzellen zurück.

Nach der Morgenandacht und dem Frühstück müssen wir uns sputen, weil wir um 10:00 Uhr in Ostritz im Biomasse-Heizkraftwerk verabredet sind.

Die Gebäude im Ort mit ca. 3000 Einwohnern werden zu 60% mit Wärme aus diesem Kraftwerk beheizt. Die Kapazität reicht für 100%. Forstbetriebe, Schreinereien und Sägewerke aus der Umgebung liefern den Rohstoff Holz. Herrn Brendler macht die Führung sichtlich Spaß, weil wir seine Kompetenz voll in Anspruch nehmen. Die Antwort auf unsere Frage nach der Anzahl der Mitarbeiter ist allerdings enttäuschend: Mit ihm seien es 5 (!) Angestellte. Das ist eines der großen Probleme in den neuen Bundesländern. Automatisierte Arbeit macht den Faktor Mensch fast überflüssig.

Dann empfängt uns Görlitz mit Tschingderassabumm. Die Europastadt feiert ihr 25. Altstadtfest!

 

 

Foto 1: Treffpunkt Bahnhof Friedrichstraße

Foto 2: Zittau, Marktplatz

Foto 3: Fußgängerzone in Zittau

Foto 4: Radweg an der Neiße

Foto 5: Kloster St. MarienthalFoto 6:  Im Schatten des Bio-Heizkraftwerks

Foto 6: Im Schatten des Bio-Heizkraftwerks

 

Die Brücke über die Neiße ist voller Menschen, Ansprachen auf deutsch und polnisch, Musik und dann – von uns als geschmacklos empfunden – laute Böllerschüsse in Richtung Zgorzelec. Wir mischen uns hüben und drüben unter die fröhlich feiernden Menschen, die die Schüsse offenbar nicht so beeindruckt haben.

Wie an den anderen Tagen begleitet uns bei unserer Andacht auch am dritten Tag wieder ein Text von Fulbert Steffensky aus seinem Buch „Der Schatz im Acker“.

Nach einem Rundgang durch diese sehenswerte Stadt trennen sich unsere Wege.

Ein Teil der Gruppe radelt in Richtung Bautzen. Der andere Teil bevorzugt die Bequemlichkeit einer Bahnfahrt, denn der Weg dorthin führt über die Ausläufer des Oberlausitzer Berglandes.

Aus einer vorgesehenen Stadtbesichtigung wird nichts. Die Kraft reicht nur noch für einen gemütlichen Sommerabend-Dämmerschoppen in einem der hübschen Lokale. -

 

Die Nacht in der Jugendherberge tut allen gut. Ein Seminarraum wird für die Sonntagsandacht hergerichtet. „Gedenke des Sabbats“ (5. Mose 6, 4-9). Hierzu hören wir die Gedanken aus oben genanntem Buch. Nach Kanon und Segen geht es auf die Straße in Richtung Norden. Ca. 35 km liegen vor uns. Die Sonne meint es wieder gut.  Ein schattiger Platz zu Füßen des Denkmals

für die beiden Slawenapostel Kyrill und Method, die im 9. Jahrhundert den Vorfahren der hier noch lebenden Sorben das Evangelium gebracht haben, sorgt für Kühlung. -

 Doch wir müssen heute noch nach Neudorf Klösterlich, weil wir dort eine Verabredung haben. Also tschüss, ihr beiden Heiligen; Herr Schnabel von der Naturwacht des Biosphärenreservates „Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft“ erwartet uns an unserer heutigen Unterkunft. Von ihm wollen wir uns durch das Dubringer Moor führen lassen. Das Moor ist eines der größten Naturschutzgebiete Sachsens und beherbergt viele vom Aussterben bedrohte Vögel und Pflanzen. Herr Schnabel kennt sie alle und macht uns auf manche Besonderheit aufmerksam. Auch für das Moor ist die politische Wende gerade noch rechtzeitig gekommen; unter ihm liegt Braunkohle! -

Voller Informationen aber müde landen wir nach fast 3stündiger Exkursion in unserem Quartier. Frisch machen, Abendbrot essen und dann den letzten gemeinsamen Abend bei Gespräch und Liedern, von Gitarre begleitet, ausklingen lassen.

Die letzte Etappe nach Spremberg legen wir zum großen Teil auf dem gut angelegten Spree-Radweg zurück. Ein erfrischendes Bad in einem Tagebausee, Mittagessen in Spremberg und von dort mit der Bahn nach Hause.

 

Helmut Herzau

 

 

Fotos: Anne Adamaschek und Helmut Herzau

 

Foto 7:   Die Altstadtbrücke über die Görlitzer Neiße

Foto 8:   Altstadtbrücke voller Menschen

Foto 9:   Görlitz, die polnische Seite

Foto 10: Rast unterwegs nach Bautzen

Foto 11: An der Bautzener Stadtmauer

Foto 12: Herr Schnabel informiert uns über das Dubringer Moor