Ein Zeichen setzen

 

Auf zum Hambacher Forst!

 

Um 5.51 Uhr bestiegen wir am Sonnabend, 6. Oktober, die S2 um kurz vor 7 pünktlich am Haupt-bahnhof unseren Zug nach Köln zu erreichen. Unser Schild „Stoppt Braunkohle“ zeigte allen, wohin unsere Reise heute gehen sollte. So wurden wir auch gleich von einigen angesprochen, die ebenfalls an der großen Demonstration gegen die Rodung des Hambacher Forstes teilnehmen wollten. Ein Mann bedankte sich sogar bei uns für unseren Einsatz – er könne leider heute nicht, sonst wäre er auch mitgefahren.

An Schildern, Aufklebern und über Gespräche wurde uns schnell klar, dass auch der überwiegende Teil der Mitreisenden in unserem Großraumwagen dasselbe Reiseziel hatte.

Fünf Stunden später am Kölner Hauptbahnhof angekommen, wurde es dann richtig eng. Menschenmassen aller Altersklassen mit Schildern oder Fahnen, Familien mit Kinderwagen und Kleinkind drängten zur S-Bahn, die uns nach Buir bringen sollte, dem Ort, wo der Tagebau Hambach in Sichtweite liegt. Etwas brenzlig wurde es für uns auf dem engen Bahnsteig, wo Sicherheitspersonal immer wieder darum bat von der Bahnsteigkante zurückzutreten. Irgendwie gelang es uns in die S-Bahn zu kommen.

Drei Stationen vor dem Ziel wurde uns mitgeteilt, dass die S-Bahn nicht mehr weiterführe, denn die beiden nächsten Bahnhöfe wären zu klein um diese Massen von Menschen zu bewältigen. Man wolle uns mit 15 Bussen zum Ziel bringen. So standen wir auf dem unwirtlichen Vorplatz des Bahnhofs „Horrem“ in der Mittagshitze und warteten. Die Busse kamen auch alsbald und zeitgleich die Ansage, dass sie wegen des Staus auf den Straßen nur langsam vorankämen.

 

Trotz qualvoller Enge im Bus, aber bei interessanten Gesprächen, näherte man sich, wenn auch langsam, dem Ziel. So kam z.B. eine alte Dame um die 80 mit dem Nachtzug aus Wien, um an der Demonstration teilzunehmen, da ihr das Thema so am Herzen lag. Mit fast zweistündiger Verspätung erreichten wir endlich Buir.

Um auf den riesigen Acker zu gelangen, wo Redebeiträge und Musik von der Bühne schon im vollen Gange war, mussten wir ein paar Kilometer laufen. Staubige, holprige Feldwege, kein Schatten, aber immer umgeben von einer Vielzahl von Gleichgesinnten.

Musik und Gesänge begleiteten uns, Plakate und Schilder mit phantasievollen Sprüchen, originelle Kostüme. Aus allen Himmelsrichtungen strömten Menschen weithin sichtbar immer noch hinzu, als wir schon wieder an die Rückfahrt denken mussten. Und überall herrschte eine fröhliche, ausgelassene Stimmung.

Immerhin war am Tag vorher ein Etappensieg für das Klima gewonnen worden mit dem Gerichtsurteil des OVG Münster, das RWE eine weitere Rodung des Hambacher Forstes vorerst untersagt hatte. Grund: RWE habe nicht ausreichend erklären können, dass die Rodung zur Stromversorgung der Bevölkerung notwendig sei.

Die große Anzahl von Menschen, die an dieser Demonstration am Hambacher Forst teilgenommen hat, setzte ein Zeichen um unsere Lebensgrundlagen und die unserer Enkel zu erhalten.

Dieser Tag wird auch für die Kohlekommission hoffentlich ein wichtiges Zeichen sein und denen, die einen schnellen Ausstieg aus der Kohleverstromung wollen, Rückenwind geben.

 

Gisela, Margrit und Helmut