20. September 2019: Klimastreik in Berlin und weltweit

 

Kanon singend mit der S2 zur Kundgebung am Brandenburger Tor

 

„Ein Dokument der Mutlosigkeit“, so bezeichnet der Klimaforscher und Regierungsberater Edenhöfer das Klimapaket, das die Bundesregierung am 20. September verabschiedet hat. An dem Tag, als in Deutschland 1,4 Millionen Menschen dem Aufruf der jungen Bewegung Fridays for Future gefolgt sind, haben ca. 30 Menschen aus Lichtenrade in der S-Bahn „Richtung Klimaschutz“ auf dem Weg zur Kundgebung am Brandenburger Tor kräftig im Kanon gesungen auf die Melodie von "Hejo, spann den Wagen an":

                            Wachstum unendlich zerstört

                            Erdenleben, das uns nicht gehört

                            das verstehn` schon Kinder,

                            das verstehn` schon Kinder...

 

Fotos: M.Schmidt, G.Theisen-Grams

 

 

Später im großen Geschiebe von alten und jungen Menschen hat es uns in verschiedene Richtungen verschlagen – so haben wir Unterschiedliches gesehen und erlebt: beeindruckend 2 Menschen an einem Galgen, mit den Füßen noch auf einem Eisblock stehend! Sprüche, wie „Ohne Steuer wird`s teuer“, „Kurzstreckenflüge nur für Insekten“, „Opa, was ist ein Schneemann?“, „All you need is less“, waren auf zahlreichen, fantasievoll gestalteten Plakaten zu lesen. Dazu das unermüdliche Skandieren und Singen!

 

Gretas sehr emotionale und anklagende Rede wenige Tage später zeigt mir, dass die Dramatik des Klimanotstands trotz allen Wissens noch längst nicht zur Grundlage all meines Handelns geworden ist: „Menschen leiden, Menschen sterben, ganze Ökosysteme kollabieren. Wir sind am Anfang eines Massen-Aussterbens und alles, worüber Sie reden können ist Geld und das Märchen vom ewigen Wachstum – how dare you?!“

Wie können wir selbst immer mehr gewahr werden, was auf dem Spiel steht, wenn wir einfach weiter machen? Wie können wir Druck aufbauen, um dem Rad noch rechtzeitig in die Speichen zu fallen? Der Ratsvorsitzende der EKD Bedford-Strohm wagt einen hoffnungsvollen Blick: „Wenn die Historiker in 100 Jahren auf unsere Zeit schauen, werden sie alle, die sich jetzt wie die Schülerinnen und Schüler für einen wirksamen Klimaschutz einsetzen, als Motoren eines menschlichen Fortschritts sehen, der ein Leben ohne Naturzerstörung ermöglicht haben wird“.

So singen wir weiter unseren Kanon:
                           Unsre Erde stöhnt und weint,

                           wenn wir leben wie ihr größter Feind

                           noch könn`wir umkehren, noch könn`wir umkehren.


Margrit Schmidt