Nach 10 Jahren - was war, was ist und was will die Ökumenische Umweltgruppe ?

 

Nichts fällt direkt vom Himmel. Alles hat seine Wurzeln. In den achtziger Jahren – noch vor dem Fall der Mauer - gab es in Europa eine wache ökumenische Reformbewegung unter- wegs nach „Gerech-tigkeit, Frieden und Be- wahrung der Schöp-fung“. Das hat viele Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche inspiriert.

 

So auch in Lichtenrade am 09.01.2007. Wir waren eine Handvoll Leute und lasen den Klimabericht der Vereinten Nationen. Wir waren erschrocken, was da auf unsere Erde zukommen kann. Wir begannen zu begreifen, dass da etwas aus dem Ruder läuft mit unserer Wirtschaft, mit unserem Konsum und mit unseren Lebensgewohnheiten. Und wir versuchten, uns der Frage zu stellen: was bedeutet in diesem Fall Umkehr zu Gott?

 

So kam es in enger Zusammenarbeit mit der evangelischen und der katholischen Gemeinde im Januar 2008 zur „Klimakonferenz“ in Lichtenrade mit Empfehlungen an die Bezirkspolitik, an die eigene Gemeinde und den persönlichen Lebensstil. Diese lokale „Klimakonferenz“ setzte sich u.a. dafür ein, die ehemalige Straßenbahnverbindung zwischen Alt-Mariendorf und Lichtenrade wieder in Betrieb zu nehmen und zum BER weiterzuführen. Auch die Solaranlage auf dem Dach des Gemeindehauses Goltzstraße geht auf diese Klimakonferenz zurück. Und was sich die Teilnehmer damals selbst ins Stammbuch geschrieben haben, ist auch heute noch aktuell:

· Beim Kauf von Lebensmitteln bevorzugen wir Bioprodukte.

· Wir wählen einen Stromlieferanten aus, der Strom aus erneuerbaren Energien anbietet.

· Wir fragen uns bei jeder Reise, ob wir sie wirklich antreten wollen, und nutzen bei Fernreisen, wo immer möglich, die Bahn.

· Bei Fahrten in der Stadt lassen wir das Auto stehen und nehmen Bahn, Bus oder das Fahrrad.

 

 

 

 

Als bekannt wurde, dass vor dem S-Bahnhof ein unverhältnismäßig großes Einkaufszentrum hingesetzt werden soll- te, setzte sich die Umweltgruppe intensiv mit der Stadtplanung für den Ortsteil Lichten- rade auseinander. Hier- zu gab es Vorträge und Bürgerversammlungen und Workshops. Mit mehrfachen Führungen durch die alte Mälzerei machte die Umwelt-gruppe auf dieses Baudenkmal aufmerksam und drängte auf eine sozialverträgliche Nutzung. All dies führte dazu, dass das Bezirksamt sich der Planung dieses Areals in Angriff nahm und dabei die Bürger und Bürgerinnen in Lichtenrade beteiligte. Dieser Prozess dauert an.

 

Besonders intensiv hat sich die Umweltgruppe in die Diskussion um die Verbesserung der Bahnhofstraße eingemischt. Diese Straße ist in unseren Augen ein kostbarer Begegnungsraum, den man so einladend wie möglich gestalten sollte. Dazu gehört, dass alle Verkehrsteilnehmer - Fußgänger, Radfahrer und Autos - sich gleichberechtigt und sicher fortbewegen können. Mit dieser Vision im Kopf hat die Umweltgruppe bisher dreimal das „Frühstück auf der Bahnhofstraße“ und einmal das „Modefrühstück vor der Mälzerei“ veranstaltet.

Heute sind wir ein Kreis von fünfzehn Leuten, die sich regelmäßig treffen und austauschen. Neue Gesichter sind sehr willkommen. Wir verfolgen die globalen Bemühungen um die Eindämmung der Erderwärmung. Und wir suchen nach Ansätzen, die heute notwendigen Veränderungen für das Leben von morgen am Beispiel Verkehr, Landwirtschaft oder Energie in unserem Alltag sichtbar zu machen und umzusetzen. Manchmal sind wir von der Fülle der Themen und Herausforderungen erschöpft. Aber feiern können wir auch.

 

Reinhart Kraft

Dezember 2016