Den Stein ins Rollen bringen

Wer hat sich beim Kauf eines Grabsteins, einer Granitküchenplatte oder von Pflastersteinen für den Gartenweg schon Gedanken gemacht, unter welchen Bedingungen diese Steine aus dem Steinbruch geholt wurden?

In Indien, China und Vietnam, aus denen ein großer Teil der Steine kommt, die wir für relativ wenig Geld erwerben können, müssen Menschen häufig unter sklavenartigen Bedingungen schuften, häufig sogar Kinder. Viele Firmen setzen auf eine Selbstverpflichtung der Lieferanten, dass sie die internationalen Arbeitsrechte einhalten. Jedoch bei unangemeldeten Kontrollen zeigt sich dann die grausame Realität: In vielen Steinbrüchen arbeiten Kinder, die früh an der Staublunge sterben, wenn sie nicht schon vorher durch einen Arbeitsunfall umkommen .

Aber was kann ich tun, wenn ich solches Elend nicht hinnehmen will? Wenn ich Natursteine brauche, die aus Europa nicht zu haben sind?

Es gibt bereits 2 Vereinigungen, die Zertifikate vergeben:

Xertifix e.V. und Fair Stone e.V. Die Hersteller, die dieses Siegel erhalten, müssen garantieren, dass sie gemäß der ILO keine Kinderarbeit oder Sklavenarbeit praktizieren. Darüber hinaus müssen auch die Arbeitsbedingungen für die Erwachsenen schrittweise verbessert und die Einrichtung von Schulen gefördert werden. Und es werden immer wieder unangemeldete Kontrollen durch geführt.

Zunächst macht es ein wenig Mühe, nach einem Händler zu suchen, der Steine mit einem solchen Zertifikat vertreibt. Und etwas teurer sind solche Steine auch.

Wenn viele von uns bei ihrem Baumarkt oder Steinmetz nachfragen oder sich direkt an einen der bei Fair Stone e.V.<http://fairstone.org/partner/partner/> oder Xertifix e.V  http://www.xertifix.de/startseite/ gelisteten Händler wenden, wenn vielleicht eines Tages auch das Land Berlin im Bemühen um den Titel „Fairtrade Town“ nur noch „saubere“ Steine verbauen würde, könnte das viel verändern in den Steinbrüchen in Indien, China oder Vietnam!

 

Margrit Schmidt, März 2016

Mitglied der Ökumenischen Umweltgruppe Lichtenrade und der Steuerungsgruppe für die Fairtrade Town - Initiative des Bezirks Tempelhof -Schöneberg

Gesunde Baumwolle

Mehr als die Hälfte dessen, was wir am Leibe tragen ist aus Baumwolle. Durch das weltweite Überangebot ist Baumwolle so billig geworden, dass es nicht weh tut, ein T-shirt oder ein paar Jeans kaum getragen auch wieder auszumustern. Unserer armen Erde aber tut es weh.

Uns ist zumeist nicht bewusst, dass bei der Herstellung von Baumwollprodukten unvorstellbar viel Wasser verwendet wird. Um ein T-Shirt herzustellen, braucht es fünfzig Badewannen voll Wasser. Der Aralsee, einst das viertgrößte Binnengewässer der Welt, trocknet in seinem östlichen Teil durch den umliegenden Baumwollanbau nahezu aus. Hinzu kommt, dass der hohe Einsatz von Pestiziden gegen Schädlinge in vielen Regionen Flüsse und Grundwasser verschmutzt. Bis zu 25 Mal wird in konventionellen Betrieben gespritzt. Mit einem Wort: die ökologischen Kosten des Baumwollanbaus sind immens.

Es geht auch anders. Ökologisch angebaute Bio-Baumwolle braucht viel weniger Wasser und keine Pestizide. Deshalb werden umweltbewusste Konsumenten beim Kauf von Baumwollprodukten auf das Label „Bio Cotton“ achten. Es findet sich aber z.B. bei Jeans bisher noch selten. Ich habe meinerseits gute Erfahrungen mit dem Katalogversand von „Hess-Natur“ sowie „Waschbär“ gemacht. Und es gibt mindestens einen Hersteller in Deutschland, der sich mit der Produktpalette COTONEA darauf spezialisiert hat, nur mit fair gehandelter Bio-Baumwolle zu produzieren. Die COTONEA Bio Baumwolle kommt aus eigenen Anbauprojekten in regenreichen Gebieten Ugandas, sie wächst mit natürlichen Düngern und biologischem Pflanzenschutz an Stelle des Einsatzes von Pestiziden.

All diese Marken findet man leicht im Internet. Hier haben wir eine Möglichkeit, als Verbraucher Textilien und Bettwäsche mit einem deutlich geringeren ökologischen Fußabdruck zu beziehen. Vielleicht können wir ja eines Tages auch in der Bahnhofstraße solche nachhaltig und fair produzierten Textilien kaufen !

 

Margrit Schmidt, Januar 2016

Ökumenische Umweltgruppe Lichtenrade